Nachdem in der vergangenen Woche der Zorn in der Alpenrepublik hochkochte und sogar von einer „Kriegserklärung“ die Rede war, glätten sich die Wogen immer mehr. Nicht, weil die Schweiz vergessen hätte, dass es etwas gegen den Datenabverkauf von eigenen Bankdaten an Deutschland hätte. Sondern weil aus einem Angebot für den Kauf einer CD mit brisanten Daten deutscher Steuersünder plötzlich viele werden.
Während die Steuerhinterzieher früher in der Schweiz ein regelrechtes Paradies vorfanden, ticken die Uhren bei der Geldanlage im Ausland nun anders – natürlich nur, wenn damit nicht der Zweck der Steuerhinterziehung verfolgt werden soll. Und der Käse, der früher wohlschmeckend war, bekommt nach und nach immer mehr, sehr unangenehme, Löcher.
Gerüchten zufolge soll nun seitens der Schweiz bereits darüber nachgedacht werden, sich am Informationsaustausch zu beteiligen, der automatisch innerhalb der Europäischen Union erfolgt. Dies wirkt so, als hätte das Alpenland plötzlich gemerkt, wie sehr es alleine dasteht, wenn es so offensichtlich Steuerbetrug aus Nachbarländern zulässt.
Die Schweiz hat sich immer gerne abgesondert und war immer stolz auf ihr Bankensystem. Doch nach und nach wird immer deutlicher, dass es im 21. Jahrhundert keine Alleinstellung mehr gibt. Der Klau von Kundendaten ist inzwischen durch jeden einigermaßen versierten Bankmitarbeiter möglich geworden, wie es aussieht.
Dass diese dann mit den Daten von steuerhinterziehenden Kunden Geld verdienen, mag zwar verwerflich sein. Auf der anderen Seite dient es jedoch dem deutschen Staat, rückständige Steuern in dreistelliger Millionenhöhe endlich eintreiben zu können.
Vorbei also bald die Zeiten, in denen das Bankgeheimnis der Schweiz das Land reich machte? Es könnte sein. Immer mehr kommt an die Oberfläche, immer mehr Daten werden Finanzbehörden in Deutschland angeboten und immer mehr Steuersünder wählen die Selbstanzeige als letzten Ausweg, einer saftigen Geld- oder gar Freiheitsstrafe zu entgehen. Der Käse hat immer mehr Löcher. Vielleicht wird er irgendwann gar nicht mehr da sein.
Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland werden wohl jedoch erst langsam gekittet werden. Schließlich sollen in auf Schweizer Banken Schwarzgeld in dreistelliger Milliardenhöhe liegen. Das ist eine Menge Geld, die dem „Banken“staat dann fehlen würde.
